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Das ändert sich 2021
bei den Sportwetten in Deutschland


Wetten, dass? Die Deutschen mögen zwar nicht so wettversessen wie die Briten, denen es gar nicht kurios genug gehen kann, aber der Tippspaß kommt dennoch nicht zu kurz. Die seit Mitte Oktober 2020 geltenden Überragungsregelungen, die bis zum Inkrafttreten des neuen Glücksspielländerstaatsvertrags, machen dabei die bisher recht konfusen Regeln einfacher.

Grund für die Neufassung war das boomende Internet. Der erste Staatsvertrag stammte von 2008 und beschränkte die Erlaubnis bei den Online Betting im Sport auf staatliche Anbieter sowie auf 20 weitere Wettunternehmen, bei denen in Deutschland getippt werden konnte. Weil EU-weit die Regelungen aber großzügiger ausfielen und EU-Recht dem jeweiligen Landesrecht übergeordnet ist, war damit die Grundlage für reichlich Wirrwarr und Magenschmerzen geschaffen. Wetter, die sich nicht auf einige wenige Tippbüros beschränken wollten, konnten nur hoffen, sich innerhalb des legalen Rahmens zu bewegen.

Diese Probleme sollen nun endgültig beseitigt sein. Dabei trifft die aus dem neuen Staatsvertrag resultierende Sicherheit nicht nur auf die Tipper zu, auch unseriäse Anbieter werden nach Hoffnung des Gesetzgebers aussortiert, weil nur diejenigen Unternehmen, die sich in der Übergangszeit an die strikten deutschen Regelungen halten, sich Hoffnung auf eine Lizenz ab Juli 2021 machen können.

Dabei haben Sportwetten eine lange Tradition in der Bundesrepublik. Nach dem Lotto ist Toto der zweitgrößte Wettbereich. Rund 55 Prozent der Sportfans setzten schon im Jahr 2014 ihr Geld auf König Fußball. Tennis lag mit 17 Prozent an zweiter Stelle, gefolgt von Handball mit 6,9 Prozent und Basketball mit 6,3 Prozent.

Um die Verbraucher zu schützen, ohne Zocker in die Illegalität zu treiben – einer der Knackpunkte, die das Ausarbeiten des neuen Staatsvertrags in die Lünge gezogen haben –, sind in dem Gesetzeswerk ein paar Sicherungen eingebaut.

Egal, um welche Form von Glücksspiel es sich handelt, gilt ein gesamter Höchsteinsatz von 1000 Euro im Monat. Wer durch sein Verhalten auffällt und als suchtgefährdet eingeschätzt wird, findet seinen Namen in einer bundesweit geltenden Sperrdatei wieder, in die sich Zocker auch freiwillig aufnehmen lassen können. Um die neu geregelte Online-Glücksspielbranche überwachen zu können, ist eine eigene Aufsichtsbehörde geplant.

Auch was die Art der Wetten angeht, werden stringente Richtlinien anvisiert. Nicht erlaubt sind kuriose Ereigniswetten, die mit dem eigentlichen Sportgeschehen nichts zu tun haben. In den vergangenen Jahren war es in diversen Ländern zu skurrilen Tipps bei Buchmachern gekommen. So hatte bei der WM 2014 in Italien ein Norweger darauf gewettet, dass der als bissfreudig bekannte Uruguay-Spieler Luis Suarez erneut seine Zähne in das Fleisch seines Gegenspielers schlagen würde. Tatsächlich konnte der als „Kannibale“ bekannte Suarez im Vorrundenspiel gegen den Gastgeber der für seinen Gegner schmerzhaften Versuchung nicht widerstehen.

Bei der Europameisterschaft 2016 wurden erneut Wetten darauf abgeschlossen, ob ein Spieler zubeißen würde, aber ohne Suarez‘ Teilnahme galt die Wahrscheinlichkeit von vornherein als gering.

Auch mehrteilige Wetten haben immer wieder Schlagzeilen gemacht. Bei der Weltmeisterschaft 2010 wurde eine Quote von 1:2000 für den Fall angeboten, dass Deutschland den Titel geholt und der deutsche Papst Benedikt daraufhin auf dem Petersplatz „We are the Champions“ gesungen hätte.

Andere Meisterschaftswetten bezogen sich auf die Wahrscheinlichkeit von Schnee oder auf die Frage, ob ein Flitzer aus dem Publikum aufs Spielfeld rennen würde.

So kurios ist den deutschen Gesetzgebern zuviel des Guten. Auch bei den Live-Wetten kommt es zu Einschränkungen. Ein Fall wie aus England, wo ein Fan sich während des Spiels so siegessicher war, dass er kurzerhand sein Haus setzte, nur um als Obdachloser das Stadium zu verlassen, wird in Deutschland nicht vorkommen.

Dabei kommt der Tippspaß selbst mit vernünftigen Einschränkungen nicht zu kurz. Vor allem die Bundesligapartien verlocken die Fans dazu, auf dem Tippschein ihre Solidarität zu zeigen. Der Staat kassiert dabei seit Jahren mit. Eine Wettsteuer in Höhe von fünf Prozent wird seit 2012 erhoben. Dabei werden die Lotterieabgaben aller Art an Bund, Länder und Kommunen verteilt, die davon wiederum unter anderem soziale und kulturelle Zwecke unterstützen. Zu den größten Nutznießern gehört dabei der Breitensport, der auf die Zuschüsse angewiesen ist. Selbst wenn die Fans auf ihren örtlichen Handballverein oder die jungen Kicker nicht offiziell setzen können, hilft auch der Einsatz auf den nächsten Bundesligaspieltag dabei, den Sport vor Ort zu erhalten.

Weil die jetzt geltenden Übergangsregelungen nicht in Stein gemeißelt sind, können sich zwar bis zu ihrem Auslaufen im Sommer 2021 noch einige Dinge ändern, aber die Grundzüge bleiben bestehen. Derzeit stehen so genannte Gesellschaftswetten und Politikwetten nicht auf dem Programm. Ereignisse im Event, wie die Wette darauf, dass ein bestimmter Spieler ein Tor erzielt oder in der Formel 1 ein Wagen im Rennen ausfällt, sind ebenfalls zurzeit nicht erlaubt. Um dafür zu sorgen, dass deutsche Zocker es nur mit seriösen, von deutschen Aufsichtsbehörden kontrollierten Anbietern zu tun haben, werden ab dem Inkrafttreten des neuen Glücksspielländerstaatsvertrags ausschließlich Online-Anbieter mit Lizenzen aus der Bundesrepublik zugelassen. Webseiten von Anbietern aus anderen Ländern sollen im Netz blockiert werden.

Außer größerer Sicherheit für die Zocker bedeutet diese Beschränkung auch klingende Münze für den deutschen Säckel. Steuern und Abgaben für den Umsatz im Online-Glücksspiel werden nämlich direkt an das lizenzgebende Land abgeführt. Bislang war das in den meisten Fällen nicht Deutschland. Dabei war die Lotteriesteuer bislang allein 1,5 Milliarden Euro pro Jahr für die Staatskasse wert. Wetten, dass diese Summe noch deutlich höher wird?


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